Das Auslandspraktikum

Das Auslandspraktikum

Während der Ausbildung besteht die Möglichkeit ein 3-wöchiges Praktikum im Ausland zu absolvieren. Sie lernen die Fachpraxis der Altenpflege des Gastlandes kennen und erhöhen damit die eigenen Beschäftigungsfähigkeit europaweit. Praktikumsstellen stehen z. Zt. in Jurmala/Lettland zur Verfügung.

Es erfolgt eine Freistellung im Rahmen der Fremdeinsätze für 3 Wochen im 2. Ausbildungsjahr. Die Schüler/innen erhalten ein Stipendium mit dem ein Teil der Reisekosten abgedeckt werden kann.

Die Teilnehmer/innen lernen die Fachpraxis im jeweiligen Land kennen und erwerben damit internationale Kompetenzen im Rahmen der Altenpflegeausbildung. Sie reisen zu zweit oder zu dritt ins jeweilige Gastland. Die Organisation der Reise obliegt den jeweiligen Teilnehmern.

Bereits durchgeführte Praktika zeigen immer wieder wie wertvoll eine solche Erfahrung ist und dies auch zur persönlichen Weiterentwicklung beiträgt.

Am Flughafen in Riga (Hauptstadt von Lettland) angekommen wurden wir von einem Studenten namens Christaps abgeholt. Er schaute uns mit großen Augen an und fragt ob wir drei Monate hier bleiben möchten anstatt drei Wochen, da unser Gepäck reichlich bemessen war. Wir fuhren gemeinsam zu unserem Wohnheim und er erklärte kurz auf Englisch den Weg zum Strand. Gespannt bezogen wir unser Zimmer, Wir erkundeten das Wohnheim und waren positiv überrascht, denn es war wirklich schön. Im ersten Moment überrascht waren wir nur über die Toilettensituation. Am späten Nachmittag zeigte uns der Student den nahe gelegenen Rimi Einkaufsmarkt. Dort angekommen sagte er: „Ihr findet den Weg ja alleine zurück“, und lies und alleine unsere Einkäufe erledigen. Abends gingen wir drei auf die Suche nach dem Strand der erstaunlicherweise leicht zu finden war. denn er war nur ca. 5 Minuten zu Fuß von unserem Wohnheim entfernt.

In der ersten Woche stand auf unserem Plan in einer Pflegeeinrichtung zur arbeiten und den Ablauf kennen zu lernen. Also holte Marite unsere Betreuerin uns am ersten Morgen im Wohnheim ab. Wir fuhren mit dem Bus (0.70 Euro eine Fahrt) in die Einrichtung und bekamen alles gezeigt, so dass wir diese Woche hier arbeiten können. In diesem Heim wohnen 150 Personen. Es sind psychisch kranke Menschen, die eine Behinderung haben oder auf Entzug sind. Jeder von und bekam zwei Personen um diese wir uns kümmern sollten. Was wir auch so gut wir es konnten gemacht haben. Von den Pflegekräften wurden wir nicht beachtet und im ganzen Haus gab es nur ein Raum mit heißem Wasser wo die Bewohner ab und zu mal geduscht wurden. Denn das Problem war, das nur ein Pfleger für das Duschen der 150 Bewohner zuständig war. Der Rest musste sehen wie sie sich waschen konnten, denn auf die Hilfe der Pflegekräfte konnten sie lange warten. Einige Bewohner/Patienten machten sich im Zimmer mit einem Wasserkocher Wasser für die tägliche Pflege warm, damit sie sich nicht mit kaltem Wasser waschen mussten, denn fließendes, warmes Wasser gab es auf den Zimmern nicht. Auch das Haare kämmen wird hier nicht so eng gesehen. Auch die Technik ist sehr fragwürdig, denn wir blieben immer in dem gläsernen Aufzug stecken und bekamen richtig Ärger (auf Lettisch). Wir verstanden leider kein Wort, bis und jemand uns  zeigte, dass wir springen müssen, wenn der Aufzug stecken bleibt, damit er wieder fährt. Sie erklärten uns schließlich, dass man den Knopf im Aufzug gedrückt halten muss, damit der Aufzug nicht mehr stecken bleibt.

Die Bewohner haben ihr eigenes Besteck, das sie beim Einzug bekommen. Sie sind selbst dafür verantwortlich das Besteck zu waschen. An einem Tag sollten wir die Kühlschränke aller Bewohner mit dem gleichen Schwamm putzen.

Als das Praktikum im Pflegeheim geschafft war beschlossen wir drei nie mehr über die Pflege in Deutschland zu schimpfen auch nicht über unser Gehalt. Denn wir erfuhren von einer Helferin, die 100% arbeitet und 12 Stundenschichten hat nur 350 € monatlich verdient. 

Am Wochenende gingen wir zusammen nach Riga in die riesigen Markthallen, in das Kriegsmuseum und sind im Park spazieren gegangen. Wir machten eine Sightseeingtour mit einem Bus. Dort erfährt man vieles über die Geschichte von Riga und warum es so viele Kirchen gibt. Um die Woche ausklingen zu lassen gingen wir Cocktails trinken, die sehr gut schmeckten.

Morgens standen wir früh auf, denn es war unser erster Tag in der Reha Klinik. Jeden Tag sahen wir neue Maßnahmen und Therapien die uns sehr beeindruckten. Alle Patienten sind aufgeteilt auf Assistenten die sie in ihre Therapie bringen und ihnen ggf. Hilfestellung dabei geben.  Diese Woche verflog wie im Flug.

Am nächsten Tag war das Volksfest Ligo, hier in Deutschand auch Mitsommernacht genannt. Bianca hat am Abend Milenas und Tabeas Haare mit Blumen geschmückt. Motiviert machten wir uns auf den Weg, doch zu früh gefreut, denn die „nette“ Dame am Empfang (wir mussten immer den Schlüssel abgeben wenn wir das Haus verließen) erklärte uns, das sie Punk 00:00 Uhr das Wohnheim abschließen würde und wir dann erst morgens wieder rein kämen. Doch wir wollten das nicht auf uns sitzen lassen, denn wie mit Marite abgeklärt durften wir an diesem Tag nach Hause wann wir wollten und mussten nur Klopfen um rein zu kommen. Nun da alles geklärt war liefen wir am Strand entlang bis Majori. Kaum angekommen war das Staunen groß. begrüßt wurden wir von einem rießigen Lagerfeuer, einer großen Bühne, Unmengen an Leuten mit Blumen in den Haaren und vielen Ständen mit Getränken und Essen. Wir stellten uns an einem Tisch und hörten die lettische Volksmusik. Auf einmal sprachen uns sechs junge lettische Männer an und fragten uns, auf Englisch ob wir die Nacht mit ihnen feiern möchten, was wir nach kurzer Beratung auch machten. Wir feierten zusammen mit den Jungs in Milena´s 20. Geburtstag rein, lachten und tanzten bis in den frühen Morgen.

Am Nachmittag gingen wir ins Spaßbad da wir die Tickets von Marite geschenkt bekamen. Der Tag verflog wie im Flug und schon waren unsere freien Tage vorbei.  Gemeinsam mit Marite machten wir uns auf den Weg nach Riga um den Samariter Bund und ein Kinderheim zu besuchen wo wir am nächsten Tag auch einen Einsatz hatten. Am Abend trafen wir noch einmal unsere lettischen Bekanntschaften und verabschieden uns. Sie versprachen auch einmal nach Deutschland zu kommen, um zu sehen wie man in Deutschland lebt und feiert ;).

An unserem letzten Tag in Lettland und somit auch unserem letzten Einsatz auf der Sozialstation des Samariter Bundes waren wir sehr erstaunt wie arm die älteren lettischen Bürger leben, was uns sehr mitnahm. Sie können kaum noch laufen, Wohnen aber im 5. Stock ohne Aufzug.  Das hat die Konsequenz, dass sie nicht mehr raus an die frische Luft kamen. Doch die Herzlichkeit dieser Menschen war einfach überwältigend. Obwohl sie selbst nicht viel hatten, boten sie uns alles an was sie besaßen, um uns ihre Gastfreundschaft zu zeigen. Die Arbeiterin der Sozialstation ließ uns an der Straßenbahn raus und wir fuhren zurück in unser Wohnheim. Wir packten unsere Koffer und räumten das Zimmer auf. Aufgeregt gingen wir schlafen. Am Morgen wurden wir um 12 Uhr von dem Hausmeister zum Flughafen gebracht. Wir flogen mit einen lachenden und einem weinenden Auge nach Hause.

Danke AWO

Uns haben die drei Wochen in Lettland sehr viel Spaß gemacht. Wir haben so viele neue Dinge gesehen und viel erlebt. Es war eine tolle Erfahrung zu sehen, wie die Pflege in einem anderen europäischen Land ist. Über manches, wie z.B. die Hygiene waren wir sehr geschockt, doch war es  trotz allem war es eine tolle und wichtige Erfahrung für unseren weiteren Werdegang. Vor allem haben wir in diesen Wochen gelernt, die Pflege in Deutschland  schätzen zu wissen. Wir sind dem AWO-Bildungszentrum sehr dankbar, dass sie es uns ermöglicht haben, diese Erfahrung zu machen. Wir empfehlen anderen Schülern, diese einmalige Chance im 2. Ausbildungsjahr wirklich zu nutzen und nach Lettland zu gehen. Ihr werdet sehen, diese Zeit werdet ihr  genauso wie wir, nie vergessen.

 

Liebe Grüße

Bianca Wacker, Milena Dreyer, Tabea Brachvogel